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FLUSS-Serie

Fuldaer Zeitung: Entlang der Fulda

Die rund 35 Kilometer, die sie bereits hinter sich hat, merkt man der Fulda zwischen Lütter und Eichenzell schon ein bisschen an. Sie ist nicht mehr ganz so temperamentvoll und doch ist ihr Wasser noch von solcher Güte, dass sich Forellen und Äschen darin tummeln.

Die rund 35 Kilometer, die sie bereits hinter sich hat, merkt man der Fulda zwischen Lütter und Eichenzell schon ein bisschen an. Sie ist nicht mehr ganz so temperamentvoll und doch ist ihr Wasser noch von solcher Güte, dass sich Forellen und Äschen darin tummeln.100809 ascw fz bericht f

Diese wollen sich natürlich auch Angler schnappen. Knapp 40 von ihnen sind im Angelsportclub Welkers organisiert, die Hälfte davon darf man als Aktive bezeichnen. Und auch wenn Vorsitzender Stefan Eib die durchschnittliche Jahresbeute mit sechs bis zehn Forellen pro Angler angibt, so sind wohl eine Menge anderer Beweggründe vorhanden, den hier etwa viereinhalb Meter breiten Fluss in schöner Regelmäßigkeit aufzusuchen.

„Es ist schon ein besonderes Naturerlebnis zu beobachten, wenn im Herbst der Nebel aufsteigt und die Sonne sich so langsam durchsetzt. Auch wenn kein Fisch beißt, es tut sich immer was an der Fulda.     
Und wenn man nur die Glühwürmchen beim Aalangeln beobachtet“, sagt der zweite Vorsitzende Dietmar Möller. Auf gut drei Kilometer Länge bietet die Fulda den Welkerser Anglern die Möglichkeit, sich vom Alltag zu entspannen. Zwei Mühlgraben mit einer Gesamtlänge von 1,2 Kilometern runden das Angebot für die Petri-Jünger ab, die zum Großteil ortsansässig sind.
Dass die Wasserqualität stimmt, freut die Angler besonders. Bachforelle und Äsche stellten hohe Ansprüche an die Gewässerqualität, besonders wenn es darum geht, dass die Fische sich dort vermehrten. „Die bei uns heimische Mühlkoppe ist auch ein ganz besonders wichtiger Indikator für unbelastetes Wasser“, sagt Vorsitzender Eib. Dann knotet er eine Trockenfliege an das lange Vorfach seiner Schnur, um mit der Insektenimitation einen Fisch zum Anbeißen zu animieren. Mit seinen hüfthohen Watstiefeln steigt er in die Fulda, lässt seine Fliege ein paarmal über das Gewässer tanzen, bevor er sie sachte auf der Fulda absetzt. Dann lässt er das kleine um einen Angelhaken arrangierte Kunstwerk flussabwärts treiben. Doch an diesem Abend steigt kein Fisch an die Oberfläche der Fulda, um sich die vermeintliche Beute zu schnappen. „Besser ein schlechter Tag am Fischwasser als ein guter im Büro“, tragen besonders US-Amerikaner ihre aus solchen erfolglosen Ausflügen resultierende Lebensphilosophie auf T-Shirts zu Markte.
US-Soldaten liebten dicke Brocken100809 ascw fz bericht small
Und zu den US-Boys gibt es in Welkers gleich mehrere Geschichten. Zum einen ist die Gründung des Angelsportclubs Welkers eng mit den einst hier stationierten Truppen der US-Armee verknüpft. Der Rod-and-Gun-Club (Rute und Gewehr) der in Fulda lebenden GIs hatte dieses Teilstück der Fulda gepachtet. Und als die US-Armee ihr Feld in Osthessen räumte, stand plötzlich ein attraktives Gewässer zur Neuverpachtung an. So entschlossen sich am 5. Mai 1993 zwölf Angler, einen Verein zu gründen, ein Jahr später kam man mit der Gemeinde in Sachen Gewässerpacht überein. Doch um die Soldaten ranken sich auch andere Episoden, die eigentlich unter die Rubrik Fischwilderei fallen. Die Rod-and-Gun-Mitglieder liebten vor allem das Forellenangeln – nächtens dem Aal mit dem Tauwurm nachzustellen, war nicht so ihr Ding. Dieses Wissen nutzte manch ein Einheimischer aus und entnahm der Fulda den ein oder anderen schlangenartigen Fisch. Und auch die Freude der Amerikaner daran, möglichst kapitale Forellen aus dem Wasser zu fischen, sprach sich herum. Denn die Fische, die von den Amerikanern in die Fulda entlassen wurden, besaßen schon das Zeug dazu, ein oder zwei Mann satt zu bekommen. Auch in dieser Hinsicht mussten die US-Soldaten den ein oder anderen nicht so ganz natürlichen Aderlass an Forellen verkraften.
Vergangene Zeiten – heute werden meist kleine, einsömmerige Besatzfische in die Fulda entlassen, um den natürlichen Bestand zu stützen. Doch mit der Arbeit rund um die Geschuppten ist das Vereinsleben längst nicht erschöpfend behandelt. In den Osterputz wird auch die Fulda samt ihrer Ufer einbezogen, eine kleiner Teichanlage bei Dalherda braucht ebenso Pflege wie das im Jahr 2005 bezogene Vereinsheim und das „Fischerstübl“.
Dort trifft man sich während der Schonzeit der Fische im Winter immer freitags, um Anglerlatein und Platt zu schwätzen. Dem schönen und gepflegten Raum in der ehemaligen Raiffeisenkasse merkt man an, dass die Geselligkeit hohen Stellenwert im Vereinsleben hat. An den Wänden hängen Fotos von Angelausflügen, die vor allem nach Norwegen führten. Doch das Reisefieber sei in letzter Zeit etwas gewichen. „Wir haben es hier doch auch so schön und alles so nah“, sagt Vorsitzender Eib und schaut aus dem Fenster des Vereinsheim auf grüne Bäume, deren Wurzeln von Fuldawasser umspült werden.

Zum Zeitungsbericht von U. Schmid, Fuldaer Zeitung ... !